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2006-2010
Die innerstädtische Brachfläche, die sich seit 2006 als Skulpturenpark Berlin_Zentrum behauptet, steht mit einer Größe von ca.fünf Hektar für gesellschaftlichen Aktivitäten bedingt zur Verfügung. Das Gelände ist teilweise umzäunt, wird jedoch mangels Bautätigkeit seit mehr als zwanzig Jahren eingeschränkt zur Naherholung genutzt – ob als Hundewiese, als Grill- oder Spielplatz, zum Spazierengehen oder Abkürzen des Weges. Umrahmt von sechs- bis achtstöckigen Wohn- und Bürohäusern, wirkt der Skulpturenpark wie eine urbane Bühne, auf der sich in loser Unregelmäßigkeit spontane wie einstudierte Szenen vor einem undefinierten Publikum abspielen. Flächenmäßig basierend auf einem Mosaik aus 62 Parzellen unterschiedlicher Eigentümer, wird der Skulpturenpark von KUNSTrePUBLIK e.V. verwaltet. Organisiert als gemeinnütziger Verein verhandelt das Künstlerkollektiv mit den Eigentümern der einzelnen Parzellen je nach Projekt und juristischer Notwendigkeit über Genehmigungen. In Zusammenarbeit mit einem jeweils neu besetzten künstlerischen Beirat wurden in den vergangenen vier Jahren die Ausstellungsreihen Bestandsaufnahme, Parcella, Spekulationen, Landreform und Wunderland realisiert.

Der Skulpturenpark Berlin_Zentrum greift den historischen Begriff ‹Skulpturenpark› programmatisch auf und arbeitet an seiner Erweiterung. Die Einbettung von Skulpturen in kultivierte Parklandschaften im Sinne eines ‹Freiluftmuseums› wird von prozessorientierter Projektarbeit abgelöst, durch die soziale, historische und gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar gemacht und neu verhandelt werden. Die eingeladenen Künstler beschäftigen sich mit der spezifischen Situation des Ortes und initiieren künstlerische Interventionen, Situationen und Zeichen. Dabei wird die historische und gegenwärtige Bedeutung des Geländes durch die temporären Eingriffe kontinuierlich neu interpretiert und zur Diskussion gestellt, ohne den Grundcharakter der freien urbanen Fläche anzutasten.
Zonierung Nördlicher Teil im Jahr 2006

HISTORISCHER HINTERGRUND (ca. 1237 - Heute)
Der Skulpturenpark Berlin_Zentrum grenzt gleich hinter dem Spittelmarkt südwestlich an die Fischerinsel, die den südlichen Abschluss der Spreeinsel bildet. Zur Zeit der Gründung Berlins vor ca. 750 Jahren befindet sich der Skulpturenpark unmittelbar vor den Stadtmauern von Cölln. Als Berlin im 17. Jahrhundert zur kurfürstlichen Residenzstadt aufsteigt und die Stadtmauern zu stattlichen Befestigungsanlagen ausgebaut werden, verstärkt sich der brachenähnliche Status des Areals. Es liegt zwischen Cöpenicker und Leipziger Thor, genau vor dem sogenannten Goltzschen Bollwerk (Salz-Bastion), das von der heutigen Seydelstrass
und der Neuen Grünstrasse flankiert wird. Die Alte Jakobstrasse verläuft auf der Außenseite des Grabens. Der Name der nahegelegenen Wallstrasse zeugt davon noch heute. Mit dem Erstarken Preußens siedeln sich Kasernen an und der Skulpturenpark wird vorwiegend militärisch genutzt, besticht dabei durch seinen ländlichen Charakter. 1780 weist das gesamte ehemalige Köpenicker Feld, ab 1802 in Luisenstadt umbenannt, 8.800 Ackerbürger auf.


Grundlagen einer Vorkriegs-Gebäude

Seit Beginn der Industrialisierung werden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die noch freien Flächen bei rasant ansteigenden Bevölkerungszahlen ganz im Sinne des Steinernen Berlins vollständig mit gründerzeitlicher Blockrandbebauung aufgefüllt. Nach der Schleifung der Wallanlagen 1867 liegt die nordwestliche Ecke der Luisenstadt an der Grenze zur Friedrichstadt und genießt den Ruf einer ‹schlechten Gegend›. Das Arbeiterviertel hat um 1900 mehr als 300.000 Einwohner, es zählt zu den dichtest besiedelten Gebieten Berlins.

Während des 2.Weltkrieges wird die dichte Bebauung nahezu vollständig zerstört. Später verläuft hier die zunächst ungesicherte Grenze zwischen amerikanischem und russischem Sektor. 1961 wird die Berliner Mauer gebaut. Die letzten Trümmerreste werden geräumt und der Skulpturenpark wird vollständig zur militärischen Sperrzone zwischen Ost und West.

Nach dem Abriss der Mauer 1990 setzt sich der demographische ‹Stillstand› des Geländes aufgrund ungeklärter Besitzverhältnisse fort. Es wird als ‹wilder› Parkplatz und als Müllhalde genutzt. Bis 2007 werden einzelne Parzellen des Skulpturenpark an Alteigentümer bzw. deren Nachfahren rückübertragen.

Mitte der 1990er Jahre geraten die innerstädtischen Berliner Brachflächen in den Fokus der Immobilienspekulation, doch im
Strudel der ‹Hauptstadt-Euphorie› und der damit einhergehenden Profitvorstellungen verschätzen sich viele Investoren. Während anfänglich der Wert des zukünftigen Areals des Skulpturenpark Berlin_Zentrum steigt, entsteht mit der Krise der ‹New Economy› ein rapider Werteverfall, und ein Stillstand jeglicher ökonomischer Aktivitäten setzt ein. Die beiden prominenten Stadtteile Berlin-Mitte und Kreuzberg verwachsen nicht so schnell miteinander wie geplant. Bis auf den sogenannten Stallschreiberblock, den südlichsten Teil des Skulpturenparks, befinden sich mittlerweile alle übrigen Felder in privatwirtschaftlicher Hand. Seit Ende 2007 zeichnet sich ein erneutes Erstarken der Bau- und Immobilienbranche ab. 15 Jahre nach dem ersten Neubau entsteht 2009 an der Ecke Seydelstrasse/Neue Grünstrasse der zweite Bau seit hundert Jahren, ein Büro- und Appartmenthaus. Neue Bauschilder kündigen an anderen Stellen weitere Bauvorhaben ähnlichen Charakters an ...


Bau im Jahr 2009 entlang Neue Grünstraße

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© 2010 KUNSTrePUBLIK, e.V.